Junge Erwachsene mit Krebs – Angehörige zwischen hoffen und bangen

Veröffentlicht am: 17.07.17 | von Ines Franzke
Kategorien:

Vor kurzem hatte ich eine Begegnung, die mich sehr berührte. Ich begleitete einen Vater. Er besuchte seine Tochter. Vor über einem Jahr hatte sie – im Alter von 19 Jahren – die Diagnose Hodgkin Lymphom erhalten. Seine schlichte Frage „Wie geht es dir?“ war voller Wärme und Anteilnahme. Auch Hoffnung schwang mit, dass sie dabei ist, in den Alltag zurückzufinden. Gar nicht so leicht, immerhin hatte die junge Frau innerhalb weniger Monate ihre Jugend hinter sich lassen müssen. Für ihre Angehörigen indes, war das letzte Jahr oft zwischen Hoffen und Bangen gewesen.

Glück für die junge Frau: Der Ausbildungsbetrieb hielt ihre Stelle frei

Für junge Erwachsene bedeutet die Diagnose Krebs einen schwer wiegenden Einschnitt in die gesamte Lebens- und Zukunftsplanung. Sie müssen sich beispielsweise von Wünschen, wie der Wahl der Ausbildung oder des Berufes, verabschieden. Und nicht jeder Arbeitgeber bietet die Chance, nach der Krebsbehandlung am selben Punkt wie vor der Diagnose anzuknüpfen. Das kann wirtschaftliche und auch soziale Notlagen nach sich ziehen. Viele stehen auch vor der Situation, dass sie ihren Wunsch selbst eine Familie zu gründen, nicht mehr realisieren können. Manche müssen ihn für längere Zeit auf Eis legen.

Die Betroffenen selbst – und in einem gewissen Rahmen auch Angehörige von jungen Erwachsenen, die an Krebs erkrankten – finden Hilfe bei der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs in Berlin. www.junge-erwachsene-mit-krebs.de

Was wirklich zählt im Leben

 

Den 18- bis 39-Jährigen mit Krebs bringt es viel, sich mit anderen Betroffenen in ihren Altersgruppen auszutauschen. Ähnliche Erfahrungen schaffen Gemeinsamkeiten und sind ein verbindendes Element zwischen Menschen. Sie können sich mit Rat zur Seite stehen, geben einander Halt und machen sich gegenseitig Mut. Eine große Portion davon braucht jeder Betroffene, um der Tatsache der Diagnose und der anstehenden Behandlung ins Auge zu sehen. Unweigerlich führen sie die Krebserkrankten zu der Frage: Was ist wirklich wichtig in meinem Leben?

So ging es auch der jungen Frau, von der ich hier erzähle. Sie gehört zu den 80 Prozent der jungen Erwachsenen, bei denen der Krebs heilbar ist. Mittlerweile konnte sie nach Therapie und Reha durch die Wiedereingliederung in ihre Ausbildung zurück kehren. Sie hat gelernt, manches gelassener zu nehmen. Innerhalb kurzer Zeit hatte sie war vollends erwachsen.

 

Oft ist es gar nicht so einfach die richtigen Worte zu finden.

 

Die Angehörigen – Eltern, Geschwister und weitere Familienangehörige – stehen mit der Diagnose Krebs in der Familie oft alleine da. Sie müssen den eigenen Schock verkraften und wollen ihrem lieben Menschen gerne beistehen, alles für ihn tun, was in ihrer Macht steht.

Indes finden sie für ihre Fragen, Sorgen und Nöte deutlich weniger Angebote als die Betroffenen. Angehörige sind oft gefordert, eine individuelle Lösung für sich zu entdecken. Viele sehen ihre Perspektive darin, im gewohnten Alltag weiter zu machen und durchzuhalten. So tragen Angehörige den Schrecken der Diagnose manchmal jahrelang mit sich herum, obwohl der Betroffene längst wieder gesund geworden ist.

Gönne dir Entlastung

 

Wenn es dir, als Angehörigem, ähnlich geht und du jemanden an deiner Seite wünschst, mit dem du im Gespräch deine Gefühle klären und ordnen willst, dann gönne dir eine Auszeit für ein telefonisches Gespräch.

Wenn es deinem Charakter eher entspricht, die Dinge weitgehend selbst für dich zu lösen, empfehle ich dir, deine Erfahrung aufzuschreiben. Mein Selbsthilfekurs mit angeleiteten Impulsen zum Schreiben, hilft dir dabei auf sanfte Weise.

Deine Ines Franzke, Wegbegleiterin

 

Fotonachweis: pixabay

Du kannst es gerne weitersagen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.