Die Einsamkeit von Trauernden ist ein großer Schmerz

Veröffentlicht am: 15.07.19 | von Ines Franzke
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„Es ist doch klar, dass du deine Frau vermisst! Ihr wart lange zusammen.“

Sätze, schlicht wie diese, wünschen sich Trauernde von ihrem Freundes-, Bekannten- oder Kollegenkreis. Oft vergebens. Statt dessen laden Freunde oder Bekannte meist mit der Absicht ein: Dass er mal auf andere Gedanken kommt. Der Verlust ist dann als Gesprächsthema tabu. Diese Erfahrungen berichteten Ehemalige der Besigheimer Trauergruppe kürzlich bei ihrem Jahrestreffen. Ich nahm daran teil, um für die Ludwigsburger Kreiszeitung darüber zu berichten. Im Vordergrund stand das Thema Einsamkeit: Was sie ist, was sie mit Trauernden macht – und wo der Ausweg ist.

Eine Seniorin berichtete vom vollständigen Rückzug langjähriger Freunde, seit ihr Mann nicht mehr lebt. Die Anwesenden appellierten in ihrer Schlussrunde: Die Gesellschaft soll mehr über Tod und Trauer sprechen. „Genau das ist es, was uns uns nach dem Tod unserer Angehörigen Tag und Nacht beschäftigt“, sagte ein Witwer.

 

Einsam und allein ist zweierlei

Viele Trauernde mache der Verlust der Frau, des Mannes, eines Kindes oder eines Elternteils einsam, sagte Ursula Manal, die zusammen mit Michaela Strasser die Besigheimer Trauergruppe als 14-tägiges Angebot für Betroffene leitet. Gemeinsam mit ihrem Mann Wolfgang, der Internist und Hausarzt ist, gewährte sie den Anwesenden Einblicke ins Thema Einsamkeit. Die Teilnehmer erfuhren: Allein ist nicht gleich einsam. Allein Lebende können ein gutes soziales Netzwerk haben, das sie trage. Einsam fühlten sich Menschen, die nicht gesehen, wahrgenommen und wertgeschätzt werden. Ganz gleich, ob in einer Gruppe, Partnerschaft, unter Freunden oder – in Trauer. Doch viele Einsame gestünden sich den Schmerz nicht zu und verkünden das Motto: „Ich komme gut zurecht.“

 

Nach einem Verlust sind Menschen von Liebe und Anerkennung abgeschnitten

Wolfgang Manal beleuchtete aus seiner Sicht als Arzt. „Einsamkeit und körperlicher Schmerz zeigen sich im Gehirn – dies ergaben Untersuchungen im Kernspin – in derselben Region.“ Er sehe den Schmerz der Einsamkeit als Warnsignal: Der Mensch solle wieder Gemeinschaft aufsuchen. Bevor die Einsamkeit sich selbst verstärke und in wachsendem Misstrauen, Verwundbarkeit, dem Gefühl von Bedrohung, Streitbereitschaft münde oder der Einsame ein komischer Kauz geworden sei. Trauerbegleiterin Ursula Manal erklärte, im Leben in Gemeinschaft erfahre der Mensch Liebe, soziale Bindung, Wohlstand, Gesundheit, Anerkanntsein, Wertschätzung. Genau dafür brauche der Einzelne seine „Herde“. Seiner Natur nach, sei der Mensch ein soziales Wesen.

 

Die Tür geht nur von innen auf…

Für gewisse Zeit sei ein Rückzug hinter die Trauermauern wohltuend und sinnvoll. Als Sinnbild für die Situation von Trauernden hatte sie den Text „Die Tür geht nur von innen auf“ mitgebracht. Er beschrieb: Wenn es an der Zeit sei, diesen Raum zu verlassen, „geht die Tür nur von innen auf“. Einsamkeit könne der Trauernde erst dann hinter sich lassen, wenn er sich aufmache, seine neue „Herde“ zu finden. Dazu brauche es Bereitschaft, die Tür von innen wieder zu öffnen. Dies erfordere Einsicht: „Ich muss an mir etwas ändern.“ Beispielsweise Einladungen annehmen, sich Teilnahme gönnen an Vereinen, Einrichtungen der Stadt, auch der Kirchen. Auch Bewegung und gesunde Ernährung seien wichtige Faktoren. Ein erster Schritt nach einer Zeit hinter der von innen abgeschlossenen Tür kann sein: Eine Trauergruppe aufsuchen.

…öffne sie mit Hilfe des Schreibens

Bis zur Bereitschaft, die Tür selbst wieder zu öffnen – und auch in der Zeit danach – bietet das Schreiben wirkungsvolle Hilfe zur Selbsthilfe. Es gibt dir einen geschützten Rahmen, in dem alle Gedanken und Gefühle sein dürfen wie sie sind. Im Schreiben würdigst du dich selbst und erlaubst deiner Seele, sich bei dir selbst auszusprechen.

Es geht ganz leicht.

Ich habe für dich Dein Selbsthilfekurs mit angeleiteten Impulsen zum Schreiben entwickelt. Er hilft dir dabei auf sanfte Weise.

Wenn du dir, als Trauerndem, einen Menschen an deiner Seite wünschst, mit dem du im Gespräch deine Gefühle klären und ordnen kannst, dann gönne dir eine Auszeit für ein telefonisches Gespräch.

Deine Ines Franzke, Wegbegleiterin

 

Bildnachweis: pixabay

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