Angehörige sind auch von der Diagnose betroffen

Veröffentlicht am: 14.10.16 | von Ines Franzke
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Bei einem chronisch Kranken in der Familie ist nicht nur der Kranke selbst betroffen. Auch alle anderen Familienmitglieder tragen an der Erkrankung mit. Natürlich auf eine andere Weise, als der Kranke selbst: Sie erfahren den Krankheitsverlauf nicht am eigenen Leib. Dennoch stehen sie als Beteiligte des Beziehungssystems mittendrin und erleben ihren lieben Menschen mit seiner fortschreitenden Erkrankung jeden Tag. Dies wird für viele Angehörige zur echten Herausforderung, angesichts derer es zunächst einfacher ist, sich auf den chronisch Erkrankten zu konzentrieren. Der Frage nach den eigenen Bedürfnissen geben Angehörige oftmals nur wenig Raum.

Oft ist Angehörigen nicht so richtig klar: Wo braucht der Kranke meine Unterstützung?

Natürlich wollen Angehörige ihrem lieben Menschen das Leben so angenehm wie möglich gestalten. Dafür geben sie unermüdlich Hilfestellung im Alltag. Doch Vorsicht: Die Grenze zwischen gut gemeinter Unterstützung und Bevormunden kann leicht verwischen. Konflikte sind vorprogrammiert. Wenn der Kranke den Angehörigen zurück weist, fühlt sich der Angehörige meist verletzt und in seiner guten Absicht weder gesehen noch gewürdigt.

Ein Beispiel aus dem Alltag

Ist ein Parkinsonkranker der Meinung, er wolle auf der Leiter in den Kirschbaum steigen, um einen morschen Ast abzusägen, liegen Meinungsverschiedenheiten mit der besorgten Frau auf der Hand. Sie hat beobachtet, dass sein Gleichgewichtssinn unter der Krankheit zunehmend beeinträchtigt ist, sieht ihn vor ihren Augen schon förmlich von der Leiter kippen – und denkt: dann muss ich ihn auch noch pflegen. Das will sie verhindern. Sie versucht es mit schimpfen, Stress entsteht auf beiden Seiten.

Verantwortung dorthin geben, wo sie hingehört

Sicherlich ist es wünschenswert dem Betroffenen die Verantwortung für sein Tun zu überlassen. Wir als Angehörige können nicht ermessen, wie viel Lebensqualität für den Kranken im Auf-den-Baum-steigen steckt. Ganz ähnlich ist es, unserem lieben Menschen die Verantwortung für den Umgang mit seiner Krankheit voll und ganz selbst zu überlassen. Welche Maßnahmen er für seine Behandlung einleiten will, ist eine Entscheidung, die er selbst treffen und tragen muss.

Meist fällt es Angehörigen schwer, ihm zuzusehen wie er manche Unterstützung, die sie persönlich für sich gut heißen würden, ablehnt. Das kann Angehörige verzweifelt machen. Beispielsweise, wenn sie eine Therapie zur Ergänzung der Schulmedizin entdeckt haben, von der sie sich viel versprechen. Doch der Betroffene sagt: Nein, das will ich nicht. Oder: Nein, das bringt nichts. Das kann wütend machen, denn wie der Betroffene mit sich selbst umgeht, wirkt sich auch auf die Lebensqualität seiner Angehörigen aus. Hilfreich ist es vielen Angehörigen, wenn sie sich auf ihren eigenen Weg machen, mit der Situation umzugehen.

Angehörige informieren sich selbst

Um zu erfahren, was die Krankheit bedeutet, welche Verläufe sie nehmen kann, ist es für Angehörige hilfreich, sich mit der Diagnose und dem medizinischen Thema auseinander zu setzen. Angehörige bekommen so einen Einblick und Überblick. Du kannst im Internet recherchieren, in Büchern lesen und auch mit dem behandelnden Arzt deines lieben Menschen sprechen. Im Idealfall geht ihr gemeinsam für ein Gespräch zu seinem Arzt. Wenn du dir selbst Wissen aneignest und Informationen zum Thema einholst, gewinnst du eine andere Basis für dich. Wir als Angehörige können auch erwägen uns einer Selbsthilfegruppe Angehöriger anzuschließen, sofern es welche gibt – was nicht bei allen chronischen Krankheiten der Fall ist.

Die Kinder nicht vergessen

Neben uns Erwachsenen sind auch unsere Kinder Angehörige, wenn ein Familienmitglied chronisch erkrankt ist. Dabei gilt es zu bedenken, dass Kinder ihren Eltern die Last immer abnehmen wollen. Deshalb lohnt es sich, auch die Kinder immer wieder in den Blick zu nehmen. Mit ihnen über die Krankheit der Mama beispielsweise zu sprechen. Erklären, was die Diagnose verändert, wie sie sich konkret aufs Verhältnis Mama-Kind auswirkt wie sich der Charakter des Betroffenen verändern kann.

Wenn euer Kind krank ist

Bei einem kranken Kind ist die Situation mit der Verantwortung natürlich etwas anders. Du, als Mutter oder Vater, ihr, als Eltern, müsst entscheiden, welche Therapien euer Kind machen soll. Ihr seid gefordert euch zu informieren, Arztgespäche zu führen, euer Kind zu motivieren in der Therapie mitzuarbeiten. Ihr als Eltern seid gefordert hinter eurem Kind zu stehen, es zu stützen, zu begleiten – und es zu lieben – so wie es in eurer Macht steht.

Sprich dich bei dir selbst aus – schreibe!

All das Beschriebene kannst du alleine kaum bewältigen. Deshalb ermuntere ich dich: Gönne dir selbst Unterstützung. Schreib’ dir von der Seele, was auf dir lastet. Das Schreiben ist vielen Angehörigen ein hilfreicher Freund, der wieder mehr Klarheit in ihr Leben bringt. Es braucht gar nicht viel. Wenn du beginnst jeden Tag nur fünf Minuten über deine Stimmung, deine Eindrücke, was dich gerade beschäftigt, zu schreiben, hilfst du dir selbst durch deine schwere Situation.

 

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